Hildesheim - Welterbepfad

Hildesheim | Welterbeband

Hildesheim - Welterbepfad

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Lichtdesign-Preis 2015

Die Hildesheimer Welterbestätten „strahlen“ jetzt noch mehr: Das Projekt „UNESCO-Welterbeband“ wurde gestern mit dem Deutschen Lichtdesign Preis 2015 ausgezeichnet! In der Kategorie „Außenbeleuchtung/ Öffentliche Bereiche“ überzeugte das Projekt zum einen durch die Beleuchtungsplanung entlang des Welterbepfades und zum anderen durch die Inszenierung des Mariendoms als eines der bekanntesten Welterbestätten Hildesheims.

Das Team von Studio DL freut sich sehr über die Auszeichnung und bedankt sich bei den Projektpartnern für die erfolgreiche Zusammenarbeit sowie bei der Jury für die Würdigung des Projektes.

Im Rahmen des Förderprogramms der Bundesregierung und des Landes Niedersachsen für die nationalen UNESCO-Welterbestätten wurden neben umfassenden Erhaltungs- sowie Sanierungsmaßnahmen am Mariendom und der Micheliskirche weitere Verbesserungen im städtebaulichen Umfeld durchgeführt oder geplant. Ziel dieses Projektes ist die Herstellung einer verbesserten Verbindung zwischen den einzelnen Welterbestätten und der Innenstadt Hildesheims. Mit dem gut 1,2 Kilometer langen und aus rund 3000 Granitplatten bestehenden Welterbeband ist die Verknüpfung gelungen. Bestandteil des Beleuchtungskonzeptes sind die Verbindungswege zwischen den Welterbestätten sowie der Dom selbst und sein direktes Umfeld. Neben der landschaftsarchitektonischen Planung wird die Verbindung der Welterbestätten maßgeblich durch die Lichtplanung unterstützt. Zusammen mit einem einheitlichen Plattenband wird durch das Lichtbild eine visuelle Einheit erreicht und somit auch bei Nacht deutlich als Leitfaden erkannt. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl eine moderne und elegante Tagwirkung der Leuchte als auch das funktionelle Licht, welches maßgeblich der Aufhellung der Umgebung sowie der Orientierung dient.

Der landschaftsarchitektonische Entwurf von nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner zeichnet sich im Wesentlichen durch die Ausprägung eines Bandes in Form von großformatigen hellen Granitsteinen, die in Werksteinpflaster eingebettet sind, aus. Dieses Band stellt eine Verknüpfung zwischen den einzelnen Welterbestätten dar. Die Beleuchtung begleitet das Band entlang des Weges in Form von Lichtstelen und unterstützt die Wegeführung sowohl bei Tag als auch bei Nacht. Sie haben neben der verknüpfenden Wirkung weiterhin die Aufgabe das funktionelle Licht durch die Einhaltung aller technischen Anforderungen und Vorgaben zu erfüllen. Ein weiteres Element im Beleuchtungskonzept sind die Lichtlinien, die zwischen den Granitsteinen eingesetzt sind. Sie machen das Welterbeband auch Dunkeln sichtbar und haben so eine primäre Leitfunktion in der Nacht.

Der Mariendom, als eines der bekanntesten Welterbe Hildesheims, war ebenfalls Teil des Beleuchtungsprojektes. Der Dom wurde hier als Mittelpunkt des Domhofes dezent herausgestellt und so als wichtiges Denkmal der Stadt ins rechte Licht gerückt.

Zusammenfassung In der gegenwärtigen städtischen Lichtplanung gewinnen die Säulenleuchten und Lichtstelen immer mehr an Bedeutung. Die Industrie bietet ein breites Spektrum dieser Lichtformen an. Verschiedene Höhen stehen den Planern zur Verfügung, vom Lichtpoller bis zur hohen Säulenleuchte. In verschiedenen Formsprachen, ausgestattet mit einer hoch effizienten Lichttechnik.

Mit unterschiedlichen leistungsstarken Bestückungen und Lichttechniken erzeugen sie differenzierte Lichtwirkungen. Dabei fügen sie sich mit sinnvoll abgestuften Baugrößen und einem modernen Design harmonisch in den architektonischen Gesamtkontext ein. In dem Projekt der Verknüpfung der Hildesheimer Welterbestätten mussten sowohl gestalterische als auch technische Aspekte berücksichtigt werden. Für unterschiedlichste Stadträume musste eine Lösung gefunden werden, die optisch einheitlich ist und ins Stadtbild passt sowie eine Leitfunktion übernehmen kann und überall die technischen Anforderungen erfüllt.

In einer umfassenden Produktrecherche wurden Lichtstelen unterschiedlicher Hersteller unter gestalterischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten untersucht und bewertet. Aspekte, wie Lichtpunkthöhe, Leuchtenabstand sowie asymmetrische Lichtverteilung durch lichttechnische Berechnungen auf Grundlage der DIN EN 13201 wurden unter anderem bei der Recherche beachtet. Weiterhin wurde die hausseitige Abschirmung und Blendungsbegrenzung sowie Vandalismussicherheit in Abstimmung mit den Herstellern konstruktiv abgestimmt bzw. gelöst. Die Kosten wurden ferner in Abstimmung mit der Stadt, den städtischen Partnern bzw. Dienstleistern geprüft und vorkalkuliert. Verbrauch und Unterhalt auch aus ökologischer Sicht bezüglich CO² Verbrauch, Wartungsfreundlichkeit, Montagefreundlichkeit, Lampenlebensdauer und Reinigungszyklen waren schlussendlich auch Gesichtspunkte, die in die Recherche einflossen.

Als Highlight des Beleuchtungskonzeptes für das Welterbeband wurden eines der Welterbe selber sowie seine direkte Umgebung ins rechte Licht gerückt. Der Mariendom steht als Mittelpunkt im Domhof, der begrenzt durch kirchlich genutzte Gebäude ein eigenes Quartier im Stadtgefüge darstellt. Die Beleuchtungsplanung stellt dieses Quartier als ein zusammenhängendes Ensemble heraus, sodass ein homogenes Bild dessen entsteht. Gemäß dem übergeordneten Konzept werden die umliegenden Gebäude als eine raumbegrenzende Lineare gleichmäßig und dezent aufgehellt. Hierfür wurde eine Leuchte mit einem eigens dafür konzipierten Diffusor ausgestattet, die dieses Ergebnis erzeugt, sich jedoch unauffällig in die historischen Strukturen einfügt.

Der Dom wird gemäß der Anforderungen der Auftraggeber als Dominante des Domhofes herausgestellt ohne jedoch zu starke Akzente zu zeichnen. Es galt eine schlichte und elegante Beleuchtung zu kreieren, die jedoch die Besonderheiten des romanischen Bauwerks mit seinen großen Flächen und kleinen Fenstern herausstellt.

Die Umsetzung erfolgte mit einer Bodeneinbauleuchte, die nach dem speziellen Bedarf des Konzeptes modifiziert wurde und eine vollflächige Beleuchtung der gesamten Fassadenfläche ermöglicht. Durch den Einsatz speziell satinierter Gläser ist es trotz der großen Flächen sogar gelungen eine sparsame Leuchte mit nur 20 Watt zu verwenden. Der bodenebene Lichtpunkt erfasst darüber hinaus nicht nur die Fassadenfläche, sondern deutet ebenso die Fenster des Gebäudes leicht an. Ein besonderer Akzent wurde auf die Obergadenfenster gesetzt. Hier soll zusätzlich zu den leicht angedeuteten Fenster- und Türflächen durch die Bodeneinbaustrahler die Bogenrhythmik im oberen Gebäudeteil betont werden.  

Projektdaten

Landschaftsarchitektur Dom / Domumfeld: HAHN HERTLING VON HANTELMANN Landschaftsarchitekten GmbH BDLA
Landschaftsarchitektur Welterbeband: Prof. Nagel, Schonhoff + Partner Landschaftsarchitekten Stadtplaner Hannover
Architekt: Renovierung und liturgische Neuordnung Mariendom: Schilling Architekten
Elektroplanung: Stadt Hildesheim, TGH Rössing, Brauckmann, ELBU Hannover
Bauherr: Stadt Hildesheim, Bistum Hildesheim
Leuchtenhersteller: Vexo, Insta
Investitionsprogramm: Nationale UNESCO Welterbestätten
Fotos: Dirk-Andre Betz

Projektbilder | Hildesheim - Welterbeband