Ein Denkmal ewiger Liebe - Grabkapelle auf dem Württemberg

Als eine der baden-württembergischen Hauptattraktionen, weithin sichtbar, stark frequentiert und gleichermaßen Wahrzeichen der Region, prägt die beleuchtete Grabkapelle seither das Stuttgarter Nachtbild.

Am anderen Ende der Welt brach 1815 der indonesische Vulkan Tambora aus. Durch die verheerende Explosion entstand eine gigantische Rauchwolke, die nach ihrer Reise um den halben Globus 12 Monate später Mitteleuropa erreichte. Es folgte das Jahr ohne Sonne. Ernteausfälle, Armut und Hungersnöte prägten zu dieser Zeit das Königreich Württemberg. Um die Not der Landbevölkerung zu lindern, begann Königin Katharina mit besonderem Engagement (und zum Teil mit ihrem eigenen Vermögen) den Aufbau einer Sozialstruktur. Auch die Stiftung des Volksfestes und somit der Cannstatter Wasen stammen aus dieser Zeit.

Der jung verstorbenen und bei der Bevölkerung äußerst beliebten Katharina zu Ehren hat König Wilhelm I  die Grabkapelle auf dem Württemberg errichtet. Die als Mausoleum angelegte Gedenkstätte für Katharina Pawlowna ist das steinerne Zeugnis einer Liebe, die niemals vergeht. Der italienische Hofbaumeister Giovanni Salucci erbaute die Grabkapelle zwischen 1820 – 1824 in exponierter Lage auf dem Württemberg, dem ehemaligen Standort der Stammburg des Hauses Württemberg. Mit zirka 20m Höhe und 24m im Durchmesser steht der zylindrische Zentralbau, dessen vier Portiken in die Himmelsrichtungen zeigen, in den Weinbergen und blickt auf Stuttgart.

Im August 2015 standen die ins Alter gekommenen Leuchten der Kapellenanstrahlung vor der Erneuerung. Zunächst wurde eine Sanierung der Bestandsleuchten mit der modernen, effektiven LED-Technik angestrebt. Eine ausführliche Beratung durch Studio DL verdeutlichte jedoch die Sinnhaftigkeit einer grundsätzlichen neuen Lichtkonzeption.

Ausgezeichnete Planunterlagen ermöglichten eine unkomplizierte Erstellung eines präzisen 3D-Modells. So konnten die Lichtplaner bereits ab Herbst desselben Jahres zusammen mit dem Amt Stuttgart von Vermögen und Bau Baden-Württemberg erste grundsätzliche Konzeptionen diskutieren und anhand von virtuellen Beleuchtungsproben bis zum folgenden Frühjahr abstimmen. Anträge, Abstimmungen, die Fortführung der Planung, sowie die nötigen Genehmigungen ließen Ende 2017 den Beginn der Tiefbauarbeiten zu sowie die Installation der Beleuchtungsanlage im Frühjahr 2018. Alle Beleuchtungselemente wurden in Absprache mit der unteren Denkmalschutzbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege von den Lichtplanern in historischem Architekturkontext platziert. Durch Beleuchtungsproben am Objekt wurden mit allen Planungspartnern aus einem Portfolio mehrerer Hersteller die finalen Leuchten festgelegt, die die virtuelle Grundkonzeption erfüllten.

Der zentrale Zylinder wird mit homogener Grundhelligkeit dezent und bodenständig beleuchtet. Die Portiken sind durch justierbare Bodeneinbauleuchten im Bereich der Säulen stärker betont, die Tympana heben sich durch warmweißes, nahezu goldenes Licht als architektonische Schmuckelemente ab und korrespondieren mit dem goldenen Kreuz auf der Kupferkuppel. Mit Zustimmung der Denkmalpflege konnten Bodeneinbauleuchten dicht unterhalb der Säulen  in den Treppenstufen  präzise durch einen Steinmetz eingearbeitet werden.

Umweltrelevante Aspekte spielten bei der Beleuchtung der Grabkapelle, mitten im Landschaftsschutzgebiet gelegen, eine ebenso wichtige Rolle wie die ästhetische Hervorhebung des Baudenkmals in Nah- und Fernwirkung, und wurden mit dem Amt für Umweltschutz der Landeshauptstadt Stuttgart (AFU) diskutiert. So erlaubt die Steuerung des neuen Lichtkonzeptes die Reduzierung des eingesetzten Lichtstroms, also die abgegebene Lichtmenge der Leuchten, um 70%. Da die Anlage nur bis 01:00Uhr nachts betrieben wird, ist die Brenndauer hierdurch um 48% reduziert. Die eingesetzte Leistung verringert sich u.a. auch durch die Dimmung einzelner Leuchten um 45%.

In der neuen Beleuchtungskonzeption der Grabkapelle vereint Studio DL somit Belange der Ästhetik, der Technik und des Umweltschutzes gleichermaßen. Der reibungslose Ablauf in der Umsetzung am Denkmal, und die stimmige Wirkung der Beleuchtungsplanung ist das Ergebnis einer sehr engagierten und interdisziplinären Projektgruppe, die mit Freude an diesem Projekt mitgewirkt hat.

Projektdaten

Bauherr: Vermögen und Bau Baden-Württemberg Amt Stuttgart
Denkmalbehörden: Landesamt Für Denkmalschutz, LHS, Untere Denkmalschutzbehörde LHS, Amt für Umweltschutz
Nutzer: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
Garten- und Landschaftsarchitektur Objektüberwachung: freiraumwerkstatt-sindelfingen
Beleuchtungsplanung und Objektüberwachung: Studio DL
Elektroinstallation: Reuss Elektrotechnik GmbH WKE Elektro Fellbach
Natursteinarbeiten: M. Heller
Bauflaschnerei: H. Robert Mayer-Zeltwanger &Co.GmbH
Tiefbau, Belags- und Pflasterarbeiten: Hermann Rothfuss Bauunternehmung GmbH & Co.
Kran + Hebetechnik: Kuhnle Arbeitsbühnen GmbHHermann Paule GmbH & Co KG
Fotos: Roland Halbe

Projektfotos | Grabkapelle auf dem Württemberg