Die Golden Gate Bridge von Rotterdam

Tagsüber weitestgehend unauffällig, soll die Willemsbrug in Rotterdam zu einem weiteren starken Symbol im nächtlichen Stadtbild werden. Zur benachbarten Erasmusbrug tritt sie durch ihre Lichtsprache in eine harmonische geschwisterliche Beziehung. Das Ergebnis basiert auf den Einsatz moderner Planungsinstrumente und einer sorgfältigen Abstimmung mit dem Planungsteam und -Partnern.

Die Willemsbrug in Rotterdam ist neben der Erasmusbrug und der Van Brienenoordbrug eine der drei großen Brücken der Stadt. Die 356 Meter lange Schrägseilbrücke, entworfen von dem Architekten Cor Veerling, führt über den Fluss Maas, der Lebensader der Stadt und Verbindung der Nordsee mit dem Hinterland. Sie ist ein Symbol für moderne Ingenieurskunst: klar, funktionell und steht mit ihrer rot gestrichenen Stahlkonstruktion in direktem Kontrast zur weißen Erasmusbrücke. Tagsüber tritt sie neben der Erasmusbrug (Architekt Ben van Berkel) als ihrer großen Schwester weiterstgehend in den Hintergrund, jedoch brachte ihr Form und Farbe den Namen „Golden Gate Bridge von Rotterdam“ ein. Auch im nächtlichen Stadtbild blieb sie weitestgehend unsichtbar.  

Als Leitidee für die Lichtplanung sollen vor allem die beiden benachbarten Brücken als Familie mit eigenständigen aber nicht konkurrierenden Charakteren nebeneinanderstehen. Während die Form der Erasmusbrug vorwiegend durch die Beleuchtung der Stahlseile im Nachtbild heraussticht, wird bei der Willemsbrug auf dieses Mittel bewusst verzichtet. Dadurch treten die benachbarten Brücken in eine Art Dialog. Als wesentliches Merkmal für die Beleuchtung der Willemsbrug dient die bestehende rote Farbe, die den Symbolcharakter ebenfalls bei Nacht zum Ausdruck bringen soll. Die speziell für diese Brücke angefertigten LED-Komponenten bestehen aus weißen und roten LEDs, die unabhängig voneinander ansteuerbar sind. Somit kann dem Alterungsprozess der Oberflächenbeschichtung mit dem Licht optisch entgegengewirkt werden. Die Fundamente stellen in kaltweißem Licht die Beziehung zum Wasser her. Eine Lichtlinie an den beiden horizontalen Brückenseiten verbindet beide Uferseiten miteinander und hinterlässt ein leuchtend rotes Band über der Maas.

Die Idee sowie die Variantenprüfung und Entscheidungsfindung wurde zuvor in 3D-Modellen verifiziert. Kritische Punkte sowie eine Feinabstimmung erfolgte durch Lichtproben mit einer interdisziplinären Kommission, bei der insbesondere Lichtfarbe und Intensität im Fokus stand. Der Aspekt der menschlichen Wahrnehmung ergänzt somit die vorangegangene technische Planung und rundet diese ab. Die besonders energieeffiziente sowie ökologisch verträgliche Beleuchtung orientiert sich an existierenden Planungsinstrumenten, die ein Mindestmaß an Lichtverschmutzung sowohl in den Himmel als auch ins Wasser vorsieht. Studio DL begleitete die Ausführungsplanung sowie die Realisierung stets unter dem Gesichtspunkt der Wahrung des Lichtbildes und der Qualitätssicherung.

Die Lichtplaner haben mit der Beleuchtung der Willemsbrug ein Objekt hervorgebracht, das nicht nur ihren eigenständigen Charakter bei Nacht unterstreicht, sondern sich auch harmonisch in die nächtliche Stadtsilhouette einfügt, ohne in direkte Konkurrenz zu anderen wichtigen Bauwerken zu treten. 

Projektdaten

Bauherr: Stadt Rotterdam
Elektroplanung: Ziut
LED-Leuchtenhersteller: Insta GmbH
Projektzeitraum: 2011 - 2018